KI-Bilder sind längst nicht mehr nur ein Spielzeug für Early Adopters. Sie sind in der Unternehmenskommunikation, in der Werbung, im Marketing und in der Kreativbranche angekommen. Und damit rückt eine Frage immer stärker in den Vordergrund: Was ist rechtlich eigentlich erlaubt? Was muss gekennzeichnet werden? Und was passiert mit dem Wert echter Fotografie, wenn künstlich erzeugte Bilder immer realistischer werden?
Podcast-Host & Autor: Markus Mallaun
In der neuen Folge von Image AI spreche ich mit Philip Kübler, Rechtsanwalt, Direktor von ProLitteris und ausgewiesener Experte für Medien- und Urheberrecht. Im Gespräch geht es um Nutzungsrechte, Urheberrecht, KI-generierte Bilder, den EU AI Act und die Frage, warum Transparenz in der visuellen Kommunikation künftig noch wichtiger wird.
Warum dieses Gespräch wichtig ist
Viele Unternehmen nutzen KI-Bilder bereits heute – für Social Media, Präsentationen, Kampagnen, Moodboards, Keyvisuals oder interne Kommunikation. Oft geschieht das mit viel Experimentierfreude, aber nicht immer mit genügend rechtlichem Bewusstsein.
Genau hier wird es spannend. Denn KI-Bilder werfen Fragen auf, die weit über das reine Prompting hinausgehen:
Wann ist ein KI-Bild nur ein kreatives Visual?
Wann täuscht es eine Realität vor, die es nie gegeben hat?
Wann muss ein Bild gekennzeichnet werden?
Welche rechtliche Fragestellungen entstehen dadurch?
Und wer trägt die Verantwortung, wenn ein KI-generiertes Bild falsch verstanden wird?
Philip Kübler bringt in dieser Folge die juristische Perspektive ein. Aber nicht trocken und theoretisch, sondern sehr praxisnah. Besonders spannend ist seine Einordnung zum EU AI Act und zu den neuen Transparenzpflichten rund um KI-generierte oder manipulierte fotorealistische Inhalte.
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Der EU AI Act betrifft auch die Schweiz
Auch wenn der EU AI Act eine europäische Regulierung ist, wäre es gefährlich, ihn aus Schweizer Sicht einfach zu ignorieren. Denn sobald KI-generierte Inhalte im europäischen Raum sichtbar werden, kann die Regulierung auch für Schweizer Unternehmen, Agenturen und Kommunikationsabteilungen relevant werden.
Gerade bei KI-Bildern wird die praktische Frage künftig lauten: Muss ich dieses Bild kennzeichnen?
Dabei geht es nicht nur um spektakuläre Deepfakes, kriminelle Täuschungen oder politische Manipulation. Problematisch kann es bereits dann werden, wenn ein Bild fotorealistisch wirkt und beim Publikum der Eindruck entstehen könnte, es zeige eine echte Situation.
Ein KI-generiertes Bild von einer Demonstration.
Ein künstlich erzeugtes Corporate-Bild mit vermeintlich echten Mitarbeitenden.
Ein fotorealistisches Sujet für eine Kampagne.
Ein manipuliertes Pressebild.
All das sind Fälle, bei denen Transparenz plötzlich nicht mehr nur eine ethische Frage ist, sondern auch eine rechtliche Dimension bekommt.
Fotografie verliert ihre Unschuld
Ein grosser Teil des Gesprächs dreht sich um die besondere Rolle der Fotografie. Denn Fotografie hatte historisch immer einen besonderen Vertrauenswert. Natürlich konnte man Bilder schon immer inszenieren, retuschieren oder manipulieren. Aber grundsätzlich stand ein Foto für einen Ausschnitt der Realität.
Mit KI verändert sich dieses Verhältnis radikal.
KI-Bilder können aussehen wie Fotografien, ohne dass je eine Kamera, ein Ort, ein Mensch oder ein Moment existiert haben. Genau darin liegt ihre gestalterische Kraft – aber auch ihr Risiko.
Philip Kübler spricht im Podcast von einer disruptiven Bedrohung des Wertes der Fotografie. Denn wenn immer unklarer wird, ob ein Bild eine echte Situation zeigt oder nur eine berechnete Simulation ist, gerät auch das Vertrauen in visuelle Kommunikation unter Druck.
Für Unternehmen bedeutet das: Wer KI-Bilder einsetzt, muss sich nicht nur fragen, ob das Bild gut aussieht. Man muss sich auch fragen, was es beim Publikum auslöst, welche Realität es behauptet und ob diese Behauptung rechtlich sauber eingeordnet wird.
Nutzungsrechte, Urheberrecht und KI
Neben dem EU AI Act sprechen wir auch über klassische Bildrechte: Urheberrecht, Nutzungsrechte, Buy-out, Lizenzen und die Frage, was Kreative im Umgang mit ihren Werken beachten sollten.
Für Fotografen, Designerinnen, Agenturen und Unternehmen ist dieser Teil besonders wertvoll. Denn noch immer herrscht viel Unsicherheit darüber, was beim Kauf eines Bildes eigentlich erworben wird.
Wurde das Bild gekauft?
Oder nur eine bestimmte Nutzung?
Darf es weitergegeben werden?
Darf es in einer nationalen Kampagne eingesetzt werden?
Darf eine Tochterfirma es ebenfalls verwenden?
Und was passiert, wenn aus einem ursprünglich kleinen Einsatz plötzlich eine grosse kommerzielle Nutzung wird?
Philip Kübler erklärt sehr klar, warum es wichtig ist, Nutzungsrechte sauber zu definieren und kreative Leistungen nicht einfach in pauschalen Gesamtpreisen verschwinden zu lassen.
Was ist mit KI-generierten Werken?
Besonders spannend wird es bei der Frage, ob KI-generierte Werke überhaupt urheberrechtlich geschützt sein können.
Die einfache Antwort lautet: Ein rein maschinell erzeugtes Bild ist in der Regel problematisch. Aber sobald ein Mensch eine erkennbare kreative Eigenleistung einbringt – etwa durch Konzeption, Auswahl, Anordnung, Iteration, visuelle Steuerung und bewusste gestalterische Entscheidungen –, kann die Sache differenzierter werden.
Oder anders gesagt: Wer nur schreibt „mach mir ein schönes Bild“, liefert kaum kreative Substanz. Wer aber ein Bild mit einer klaren Idee, präziser Bildsprache, Lichtführung, Komposition, Atmosphäre und bewussten Iterationen entwickelt, bringt menschliche Schöpfung in den Prozess ein.
Das ist nicht nur eine kreative, sondern auch eine rechtliche Frage.
Warum Transparenz zur Markenfrage wird
Für BOOSTR AI ist genau dieser Punkt zentral: Transparenz ist nicht einfach ein juristischer Pflichtpunkt. Transparenz ist Teil der Markenführung.
Wenn ein Unternehmen KI-Bilder nutzt, berührt das die Glaubwürdigkeit der Marke. Es geht um Vertrauen, um Haltung und um die Frage, wie offen ein Unternehmen mit neuen Technologien umgeht.
Nicht jedes KI-Bild ist problematisch. Im Gegenteil: KI kann ein enorm starkes Werkzeug sein – für Visualisierung, Kampagnenentwicklung, Moodboards, Prototyping, Produktkommunikation und kreative Konzepte.
Aber KI-Bilder müssen bewusst eingesetzt werden. Nicht, weil man es kann, sondern weil es zur Marke, zur Botschaft und zum Kontext passt.
Die zentrale Frage lautet deshalb nicht mehr nur:
Kann ich dieses Bild mit KI machen?
Sondern:
Darf ich es so verwenden – und muss ich es kennzeichnen?
Die neue Folge Image AI
Die Folge mit Philip Kübler ist ein Gespräch für alle, die professionell mit Bildern arbeiten: Fotografen, Kreative, Agenturen, Kommunikationsabteilungen, Marketingteams, Markenverantwortliche und Unternehmen, die KI-Bilder bereits einsetzen oder kurz davorstehen.
Wir sprechen über:
- Nutzungsrechte und Urheberrecht bei Bildern
- ProLitteris und Vergütungen für Kreative
- KI-Training und die Nutzung geschützter Werke
- KI-generierte Bilder und menschliche Schöpfung
- Deepfakes und fotorealistische Darstellungen
- Kennzeichnungspflichten im EU AI Act
- Transparenz und Verantwortung in der Bildkommunikation
- Die Zukunft der Fotografie im Zeitalter künstlicher Intelligenz
Die neue Folge von Image AI mit Rechtsanwalt Philip Kübler gibt es auf YouTube und Spotify.
Für alle, die KI-Bilder nicht nur ausprobieren, sondern professionell und verantwortungsvoll einsetzen wollen, ist dieses Gespräch ein wichtiger Orientierungspunkt.
Der Beitrag Podcast #7 Rechtsanwalt Philip Kübler über Nutzungs- und Urheberrecht, KI-Bilder & EU AI Act erschien zuerst auf BOOSTR.
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